Ende der VerdrängungIn meinem letzten Blogartikel berichtete ich von einer Kollegin, die mich mit dem Satz „wer nicht verdrängt, reibt sich die Seele wund“ konfrontierte. Nachdem mich das Thema nicht losließ, beschäftigte ich mich daraufhin im letzten Artikel mit dem Konzept der Verdrängung, und ob diese funktionieren kann. Im aktuellen Artikel geht es jetzt darum zu erkennen, was typische Anzeichen des Verdrängens sind und wie wir uns dagegen wappnen können…

Was sind weitere typische Verhaltensweisen? Wie äußert sich Verdrängung?

  • Aktionismus
    Hier geht es darum, bloß nicht zur Ruhe zu kommen, um nicht reflektieren zu müssen. Man sucht sich dauernd Ablenkungen, neue Aufgaben, Abenteuer oder arbeitet wie verbissen. Freizeit im Sinne von nichts tun wirkt eher bedrohlich.
  • Den anderen die Schuld geben
    Das ist ein anderer Weg, nicht über den eigenen Anteil nachdenken zu müssen. Wenn ich dem anderen die Schuld gebe, dann kam es ja quasi über mich, und nachdem ich den anderen nicht ändern kann (obwohl sich das noch nicht überall herumgesprochen hat), muss ich mich auch nicht mehr mit dem Thema beschäftigen, sondern schiebe es zur Seite. Bis der nächste Mensch genau dasselbe macht. Komisch, nicht wahr? Wie häufig ging es Ihnen schon so, dass mehrere Menschen das vermeintlich gleiche Fehlverhalten an den Tag legten? Im Normalfall ist das ein Spiegel für uns, in dem wir uns selbst erkennen dürfen – auch wenn das durchaus einmal schmerzhaft sein kann.
  • Fokus auf materielle Dinge / auf die Außenwelt
    Viele Menschen schieben unangenehme Emotionen weg, indem sie sich etwas Gutes tun. Sie legen dann den Fokus auf die Außenwelt, um nicht in sich schauen zu müssen. Das neue Kleid, das neue Handy, der Sportwagen lassen uns für kurze Zeit besser fühlen. Aber das zugrundeliegende Gefühl richten sie nicht. Habe ich mich zuvor einsam oder minderwertig gefühlt, dann fühle ich mich nach kurzer Zeit wieder so. Also kommt die nächste Anschaffung, die zeigen soll – den anderen, aber vor allem mir selbst –, dass es mir gut geht, dass ich etwas erreicht habe… Und der Kreislauf beginnt von vorne – so lange, bis ich mir das darunter liegenden Thema ansehe.
  • Sich etwas schön reden
    Das schön reden ist eine weitere Methode, und sie hilft uns, das Thema zu vermeiden, denn eigentlich ist es ja so schlimm doch wieder nicht, nicht wahr? Man kann damit leben. Fragt sich nur, wie gut… Übrigens erkennen die Menschen in unserem Umfeld ziemlich schnell, dass wir hier nur Kosmetik betreiben, denn sie täuschen wir nicht. Daher durchschauen wir die „Meister der Verdrängung“ ziemlich schnell und erkennen, dass sie sich da gerade etwas schön reden.
    Wichtig ist mir dieser Stelle jedoch, das „sich etwas schön reden“ explizit vom Thema Visualisierung verbunden mit inspirierter Aktion abzugrenzen. Hier geht es darum, etwas in sein Leben zu holen, das man sich wünscht und diesem durch das „im Geiste leben“ mehr und mehr Energie zu geben. Manchmal mag der Grad zwischen „schön reden“ und eine gewünschte Veränderung „im Geiste leben“ schmal sein, doch der entscheidende Unterschied sind die verbundenen Emotionen. Beim „schön reden“ verdrängen wir eben eine Emotion, die wir nicht haben wollen, beim Visualisieren aktivieren wir hingegen beflügelnde Emotionen, wie Glaube, Freude, Liebe.

Was tun gegen das Verdrängen?

Stellt sich also noch die Frage: Was können wir tun, um weniger zu verdrängen und uns schneller den wirklichen Themen zu stellen, um danach wieder mehr Energie zu haben? Der erste Schritt ist, sich einzugestehen, dass dieses Gefühl im Raum steht, auch wenn der Geist sofort schreit: „Halt, das ist doch ein böses, schlechtes Gefühl, das wollen wir nicht! Schnell, weg damit!“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen eben erging. Als ich ein Kind war, war Pumuckl allgegenwärtig, und ich habe gerade eben den kleinen Kobold vor mir gesehen, wie er in der Episode mit dem Feuer versucht, das sich ausbreitende Feuer einzudämmen, aber das klappt nicht… Unsere Gefühle können sich manchmal ebenfalls wie ein Feuer, sogar wie ein Flächenbrand, anfühlen. Im ersten Moment hat Feuer für uns meist eine eher negative, gefährliche Bedeutung. Brennt das eigene Haus, verlieren wir vieles, vielleicht sogar alles. Aber Feuer hat auch eine reinigende Wirkung. Sehen sich sich einmal die Natur an, wie sie sich verbranntes Gebiet zurückerobert. Verbrannte Bäume ragen dann wie ein Mahnmal aus dem frischen Grün. Ein Freund von mir hat zwei Wohngen durch Brände verloren, beide Male konnte nichts gerettet werden. Er fühlte sich enorm befreit, und hatte das Gefühl, viele Altlasten abgeschüttelt zu haben, und nun nochmals von vorne anfangen zu dürfen.

Und wie das Feuer sind auch Gefühle per se erst einmal weder gut noch schlecht. Gut – schlecht – das sind Wertungen unserer Ratio, unseres Geistes. Wir leben in einer Welt der Dualität, daher vergeben wir solche Etiketten. Aber davon losgelöst, hat auch ein Gefühl wie Wut seine Berechtigung. Wichtig ist aber, nicht in dem Gefühl hängen zu bleiben, sondern es zu beachten und mit einem gewissen Forscherdrang zu hinterfragen:

  • Warum kommt dieses Gefühl?
  • Was genau hat das Gefühl ausgelöst?
  • Auf wen bin ich eigentlich wütend? Auf den anderen oder auf mich selbst?
  • Was genau macht dieses Gefühl mit mir?
  • Liegt da eventuell noch ein ganz anderes Gefühl dahinter?

Je genauer wir dieses Gefühl erforschen, desto mehr können wir aus der Wertung von gut – schlecht aussteigen und es akzeptieren als das, was es ist: Ein Hinweis unserer Seele, das da etwas ist, was nicht zu unserem Besten ist. Und dann können wir Lösungsansätze finden und das Gefühl loslassen. Es mag zwar noch das eine oder andere Mal auftauchen, aber dann wissen wir ja, wie wir damit umgehen. Und manche Gefühle können sich allein durch das Bewusstmachen abschwächen.

Und, haben Sie Ihren Verdrängungsmechanismus gefunden? Oder haben Sie andere Wege gefunden, mit verdrängten Gefühlen umzugehen? Teilen Sie doch Ihre Gedanken über einen Kommentar.

Herzlichst,
Ihre Christiane Mohr

 

Bilder:
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