Wie bestimmt sich der Wasserfußabdruck? Was haben meine täglichen Entscheidungen – auch in Supermarkt und Küche – mit meinem Wasserfußabdruck zu tun? Und wie kann ich meinen Wasserfußabdruck reduzieren?

Was ist der Wasserfußabdruck?

Bestimmt haben Sie diesen Begriff schon gehört. Bereits seit vielen Jahren kennen wir ihn, den ökologischen Fußabdruck. Gemeint ist damit der Fußabdruck, den wir mit unserer Lebensweise auf der Erde hinterlassen. In erster Linie denken wir da immer noch an den Ausstoß von Treibhausgasen: weniger Autofahren, verbrauchseffizientere Modelle, der Gefrierschrank der Energieeffizienstufe A+++, Energiesparleuchten (meiner Meinung nach ganz gruselig, aber dazu vielleicht mehr in einem anderen Blog), energetische Haussanierung. Seit Jahren werden wird bombardiert mit Vorschlägen, wie wir unseren Beitrag zur Rettung dieses Planeten beitragen können. Vieles davon ist erst einmal mit großen Kosten verbunden (Neuanschaffung eines Geräts oder Autos) und gleichzeitig kennt man die Langzeitfolgen noch nicht (Vollwärmeschutz auf den Häusern). Doch es gibt noch ganz andere Bereiche, in denen wir unseren Fußabdruck hinterlassen, und einer ist unser Wasserverbrauch, der sogenannte Wasserfußabdruck.

Der Wasserfußabdruck setzt sich aus mehreren Elementen zusammen (wer sich gerne tiefer einlesen möchte, findet am Ende des Artikels jede Menge Links zum Thema):

  1. Der Wasserverbrauch für Hygiene, Haushalt, Garten sowie Trinken und Nahrungszubereitung. Diesen können wir relativ gut steuern, und aufgrund von Bemühungen zur Aufklärung und wassereffizienterer Haushaltsgeräte haben die Deutschen hier einen relativ niedrigen Verbrauch von ca. 130 Litern pro Tag pro Person. Allerdings gehen wohl schon einmal 42 Liter Trinkwasser pro Tag nur für Toilettenspülung verloren.
  2. Impliziter Wasserverbrauch für Nahrungsmittel, Kleidung und weitere Produkte. Und hier wird es schwierig, denn woher will man als Konsument wissen, was bei der Produktion so an Wasser verbraucht wird? Das erschreckende Faktum: Der Wasserfußabdruck des Durchschnittsdeutschen liegt bei gut 5.000 Litern pro Tag! Und ein großer Teil dieser Wasserreserven wurden aus Ländern „importiert“, die ohnehin unter Wassermangel leiden, so zum Beispiel aus Brasilien, Afrika, Asien und Südeuropa.

Und wie sieht das in der Praxis aus?

WasserfußabdruckSehen wir uns mal ein paar Produkte an: Kartoffeln oder Kohl erreichen beispielsweise nur einen Wasserfußabdruck von knapp 300 Litern pro Kilogramm, Obst (Äpfel, Nektarinen) schlägt bereits mit ca. 900 Litern pro Kilo zu Buche. 1 Kilo Käse benötigt bereits 4.000 Liter Wasser und ein Kilo Rindfleisch verbraucht sagenhafte 15.400 Liter Wasser, bis es beim Konsumenten ankommt. Es ist also deutlich zu sehen, dass eine vegetarische Lebensweise nicht nur den CO2-Ausstoß reduziert, sondern auch massiv dabei hilft, den eigenen Wasserfußabdruck zu verkleinern.

Bei den importierten Produkten ergibt sich folgende Reihenfolge anhand des Wasserfußabdruck in abnehmender Reihenfolge: Kaffee, Kakao, Ölsaat, Baumwolle, Schweinefleisch, Sojabohnen, Rindfleisch, Milch, Nüsse und Sonnenblumen.

WasserfußabdruckÜbrigens haben die Studien von Hoekstra und Mekonnen, den Entwicklern der Methodik zur Berechnung des Wasserfußabdrucks, ergeben, dass für einen durchschnittlichen Konsumenten Getreide mit 27 Prozent Wasserfußabdruck, gefolgt von Fleisch mit 22 Prozent und Milch mit 7 Prozent die größten Einzelpositionen darstellen.

 

Und was jetzt?

Aber es gibt immer Alternativen: Zum Beispiel die Initiative „Better Cotton Initiative“ des WWF, der sich bereits große Firmen wie Adidas, IKEA, Gap oder H&M angeschlossen haben, um gemeinsam Standards zu entwickeln, damit der Baumwollanbau ökonomisch, ökologisch sowie sozial nachhaltig erfolgen kann.

Vor Kurzem wurde ich übrigens bei C&A auf einen Aufsteller aufmerksam, der die Vorteile der Bio-Baumwoll Initiative aufzeigte. Dort zeigte sich neben dem geringeren Wasserbedarf auch die Einsparung an Pestiziden und Herbiziden. Vermutlich wollen wir gar nicht wissen, wie klein der Prozentsatz der Einsparung gegenüber der konventionellen Baumwollprodukte sind, aber als Gesamtzahl las es sich doch recht beeindruckend. Und aus einer vorerst kleinen Bewegung können mit Zeit und Engagement große Dinge entstehen.

Neulich hörte ich einen Beitrag auf Bayern 2 zum Thema Plastik in der Umwelt. Einer der Podiumsteilnehmer sagte „Vermeiden ist etwas für Weicheier. Man muss verzichten.“ Etwas schockierend? Ja, sicherlich, aber irgendwie hatte dieser Mann auch Recht, denn die (noch abgeschwächter) Version „ich versuche, dies und das zu vermeiden“ zeigt eigentlich, dass wir uns nicht festlegen wollen. Entweder ich tue etwas, oder ich tue es nicht. Dass ich mit meinen Bemühungen manchmal an meine eigenen Grenzen stoße, ist natürlich und menschlich. Und ich möchte hier auch keineswegs einem Militarismus das Wort reden, es geht nur darum, eindeutig Stellung zu beziehen und anschließend dazu zu stehen.

Was also können wir als bewusste Konsumenten tun? Aufmerksam sein und ab und zu eventuell ein wenig Verzicht üben. Ich weiß, dass Verzicht – gerade in der heutigen Zeit – nicht mehr so hoch im Kurs steht, aber manchmal tut er uns auch gut. Im Fall des Wasserfußabdrucks führt er dazu, dass wir weniger Fleisch- und Milchprodukte verzehren, was nicht nur unserem Wasserfußabdruck gut tut, sondern auch unserer Gesundheit.

In diesem Sinne, planen Sie doch ein paar leckere vegetarische Gerichte für die nächste Woche ein und bleiben Sie gesund!
Herzlichst,
Ihre Christiane Mohr

 

Weiterführende Links:

Kurzanimation, wie das Kilo Rindfleisch auf 15.400 Liter Wasserfußabdruck kommt
https://youtu.be/egjtFL3Hnxw

Hier gibt es einen Überblick über verschiedene Produkte
http://www.waterfootprint.org/?page=files/productgallery

Berechnung des persönlichen Wasserfußabdrucks
http://www.waterfootprint.org/?page=cal/waterfootprintcalculator_indv

Der Barcoo Produktscanner zeigt für ausgewählte Produktkategorien den Wasserfußabdruck und ist erhältlich für iOS und Android:
http://www.barcoo.com/blog/2013/03/22/barcoo-zeigt-den-wasser-fusabdruck-unserer-alltagsguter

Studie des WWF
https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/wwf_studie_wasserfussabdruck.pdf

Report der Entwickler der Methodik zur Berechnung des Wasserfußabdrucks (Englisch)
http://www.waterfootprint.org/Reports/Hoekstra-Mekonnen-2012-WaterFootprint-of-Humanity.pdf

 

Grafiken:
© Erstellt von Christiane Mohr