Durch-Tod-heilbar KopieAls ich mit meinem Blog anfing, stellte ich mir nicht großartig die Frage, wie viele Leser ich wohl finden würde. Es war mir einfach ein Herzensanliegen, Gedanken, Erfahrungen und Erkenntnisse zu diesem Thema zu teilen. Umso mehr freut es mich natürlich, wenn ich Zuschriften oder auch mal im persönlichen Kontakt völlig überraschend erfahren, dass Menschen aus meinem Umfeld einfach so auf meinen Blog gestoßen sind, und meine Artikel mit Begeisterung lesen. All denen, die sich die Mühe machen, mir ein Feedback zu geben an dieser Stelle herzlichen Dank. Es freut mich und bestärkt mich darin, dieses Thema voranzutreiben.

Inzwischen erreichen mich aber immer öfter Anfragen von Verlagen oder Autoren, ob ich ein Buch, das sich irgendwie mit dem Thema Krebs beschäftigt, lesen und rezensieren möchte. Nachdem meine Zeit ziemlich begrenzt ist, dauert es meist ein wenig, bis ich mich ans Lesen mache. Und nachdem ich gerade sehr viel Fachliteratur wälze, war das erste Buch, das ich mir zur Hand nahm, daher auch kein Fachbuch, sondern den Roman „Durch Tod heilbar“ des Apothekers Bernd Niklas. Er hat sich an einen Unterhaltungsroman gewagt, der sich mit dem Thema Krebs beschäftigt. Auf den ersten Blick vielleicht ein Widerspruch. Daher war ich auch ein wenig skeptisch…

An dieser Stelle muss ich jetzt auch gestehen, dass ich meinen Lieblingsautoren im Bereich Belletristik über Jahre treu ergeben bin, und ich mich von den „schweren“ Themen eher ein wenig fernhalte – auch aus Gründen der Gedankenhygiene. Das Buch lag daher schon ein paar Tage neben meinem Bett, bis ich es endlich aufschlug. Der Titel legte ja irgendwie schon nahe, dass es nicht gut ausgeht.

Ich fing also etwas zögerlich an. Sven, 35, ist Kitesurflehrer und liiert mit Heidi, 49, Pharmamangerin bei der OnkoPharm AG. Svens Diagnose Bauchspeichendrüsenkrebs ändert plötzlich alles. In die neue Situation, der sich die beiden nun stellen müssen, platzt eine ungeplante Vorstandssitzung der OnkoPharm AG, die um das wirtschaftliche Überleben kämpft. So scheint die neuartige Krebstherapie, die das Unternehmen entwickelt hat und um die es in der Sitzung geht, nicht nur für die OnkoPharm AG, sondern auch für Sven die Rettung zu sein. Doch schnell stellt sich heraus, dass die Therapie Nebenwirkungen der besonderen Art hat, die alle Beteiligten in ein Dilemma stürzen.

Bereits während der Lektüre fragte ich mich immer wieder, was hier wohl Fiktion und was Realität ist. Natürlich waren einzelne Handlungsstränge klar als Fiktion erkennbar, aber die Hintergründe – konnte da etwas Wahres dran sein? Je länger ich las, desto mehr schien es tatsächlich möglich, dass so etwas passieren konnte. Wie weit war die Krebsforschung vorangeschritten? Woran arbeiteten die zahlreichen Forscherteams hinter geschlossenen Türen? Und diese Gedanken waren durchaus beunruhigend. Doch noch beunruhigender war die sich zwangsläufig ergebende Frage: Wie würde ich in dieser Situation handeln?

Bernd Niklas Ansatz, verschiedene Handlungsstränge parallel zu entwickeln, und diese erst zu einem bestimmten Punkt zusammenzuführen, fand ich zu Beginn der Lektüre etwas anstrengend. Durch den raschen Wechsel zwischen den Handlungssträngen und das zusätzliche Einstreuen von Fakten, kommen die Charaktere etwas zu kurz und bleiben damit eher eindimensional. Es fehlte mir oft das Gefühl, mich mit den Protagonisten definieren zu können, gerade die Entwicklung des Krebspatienten Sven kam mir zu kurz. Wie hat er sich verändert, auf welcher Basis hat er seine Entscheidung getroffen? Wie ging das Paar mit der Situation um? Fragen, die zwar für den Plot des Romans nicht unbedingt wesentlich sind, aber bei diesem Thema für mich eigentlich dazugehören.

Dennoch freue ich mich, dass ich durch seine Anfrage auf sein Buch aufmerksam wurde, denn es ist ein lesenswertes Buch. Nicht nur für Menschen, die in irgendeiner Weise mit dem Thema Krebs konfrontiert sind, sondern für jeden von uns. Denn die dahinterstehenden Fragen lassen sich auf jede schwere, potenziell tödliche Krankheit übertragen. Mit seinen 150 Seiten liest sich der Roman in relativ kurzer Zeit. Täuschen lassen sollte man sich allerdings nicht – gelesen mag er schnell sein, die Nachwirkungen bleiben eine Weile erhalten…

Mein Fazit: Lesenswerter Roman, der den Leser sicher eine ganze Weile nicht mehr loslässt und uns über ganz essenzielle Fragen nachdenken lässt. Und der durchaus dazu führt, dass man sich die Frage stellt, ob das tatsächlich alles Fiktion ist…

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Bilder:
© Buchcover zur Verfügung gestellt von Bernd Niklas