1 App, die Ihren Lebensmitteleinkauf sicherer macht - Essen ohne ChemieEin paar µg Aluminium, Blei, Arsen und Quecksilber, oben drauf einige Milligramm Captan, Acrylamid, Dioxine verschiedenster Art und jede Menge unaussprechlicher Namen. Sieht so Ihr tägliches Frühstück aus? Wenn Sie Müsli mit Vollmilch und frischem Apfel und dazu einen Kaffee zu sich nehmen, dann könnte das die erschreckende Bilanz sein… Aber es gibt Abhilfe!

Kurz nachdem ich meine Artikelserie über das Thema Schwermetalle veröffentlicht hatte, erhielt ich eine Nachricht von Lars Neumeister. Herr Neumeister ist führender Pestizidexperte und tätig für alle Organisationen, die im Bereich Verbraucher- und Naturschutz einen Namen haben, unter anderem für Greenpeace, WWF Deutschland, BUND Deutschland, FSC, die Verbraucherzentralen – und das national wie international. Seit nahezu 17 Jahren arbeitet er ausschließlich zum Thema Pestizide.

Basierend auf seiner Arbeit für Greenpeace, bzw. den Pestizidführer von Greenpeace, hat Herr Neumeister eine APP für Smartphones entwickelt, um uns den Einkauf zu erleichtern. Da ich die Idee, seine App hier in meinem Blog vorzustellen, toll fand, haben wir über die letzten zwei Wochen eine Art E-Mail Interview geführt, und so lasse ich immer wieder Herrn Neumeister selbst zu Wort kommen…

Warum überhaupt eine APP “Essen ohne Chemie”?

“Keine der bedeutenden Verbrauchergruppen arbeitet aktuell regelmäßig zu Schadstoffen in Lebensmitteln, und ich halte es für zu wichtig, denn es gibt zu viele sehr bedenkliche Chemikalien im Essen. Deswegen gibt es den Blog und die APP. Die APP soll Verbrauchern helfen, unerwünschte Chemie im Essen zu vermeiden.

Letzendlich muss sich auch dringend  die Politik ändern – es werden zu viele Pestizide eingesetzt mit zu hohen “Grenzwerten“, und es werden viele Schadstoffe in der Produktion erlaubt (siehe z.b. http://www.essen-ohne-chemie.info/dioxine-co-verfuettern-ganz-legal/). Es wäre besser, meine APP wäre nicht notwendig, und man könnte alles bedenkenlos essen!”
(Lars Neumeister)

Da ich es tatsächlich oft schwierig finde, all die verschiedenen Gefahrenpotenziale im Kopf zu behalten, kaufe ich inzwischen fast ausschließlich im Biomarkt ein. Aber es gibt immer ein paar Dinge, bei denen die Preise so viel höher sind, dass der Transfer in den Einkaufswagen nicht so leicht fällt. Zwar trage ich meine Pestizid-Infografik als kleine Gedankenstütze mit mir, aber erstens ist diese bereits mehr als 12 Monate alt, und zweitens betrachtet sie eben ausschließlich Pestizide.

Also habe ich mir die App heruntergeladen und bin nun ein paar Mal damit einkaufen gegangen. Und zum Spaß habe ich auch viele Produkte geprüft, die ich im Biomarkt kaufe…

Einkaufen mit der APP

Mit der APP frisch auf dem Handy war ich bei Aldi, wo ich meist nur Biobananen, Biokarotten, Biozitronen, Mangos und Ananas kaufe. Mangos und Ananas sind im Biomarkt immer richtig teuer, und Mangos finden sich nicht unter den Top 10 der „schmutzigen Sorten“. Und bei Ananas wiegt die dicke Schale in Sicherheit. Doch ist das wirklich so? Also das Handy raus, APP gestartet und nach Ananas gesucht…

Essen ohne Chemie - Ananas

Essen ohne Chemie - Ananas Rückstände

Essen ohne Chemie - Rückstände Details

 

 

 

 

 

 

 

 

Uh-uhh… Außer den Bio-Ananas gibt’s kein Grün… Das bedeutet also, dass wir mit jeder Ananas Schadstoffe aufnehmen. Aber welche wären das? Schneller Klick auf Rückstände… Es wird eine lange Liste angezeigt (sehen Sie den kleinen feinen Scrollbalken oben rechts? Er lässt erahnen, wie lang die Liste ist…)

Mein Gott, ich dachte ja wirklich, ich hätte schon recht viel über Schadstoffe gelesen, aber da sind haufenweise Namen dabei, von denen ich noch nie gehört habe… Aber was sind denn das für Schadstoffe? Der Klick auf den Namen öffnet eine Detailansicht und es lässt sich besser einschätzen, ob man diesen Stoff unbedingt meiden möchte.

Je weiter man auf der Liste nach unten kommt, desto seltener wurde der Stoff gefunden. Die Angabe des Durchschnittsgehalts der Proben wird den meisten von uns nichts sagen. Im Grunde genommen bewegt sich alles im Mikro- und Milligrammbereich. Wenn man die Grenzwerte nicht weiß, hilft einem das aber eher wenig. Die Prozent-Anzeige der belasteten Proben hingegen finde ich richtig gut, so bekommt man ein Gefühl, wie die Trefferquote ist.

Ich lese also ein paar Substanzen nach, und dabei vergeht mir der Appetit etwas. Ich klicke weiter und prüfe Mangos und Avocados. Hurra – da zeigen sich doch mal zwei Dinge, die man durchaus nicht im Biomarkt kaufen muss…

Essen ohne Chemie - Mango Essen ohne Chemie - Avocado

Wenig Grün, viel Gelb – was bedeutet das?

Essen ohne Chemie – welche Schadstoffe sind enthalten?Doch bei vielen Produkten kommt man bei konventionellen Produkten über ein Gelb nicht hinaus – und in Kombination mit den teilweise sehr hohen Rückstandsquoten war ich wirklich verunsichert. Also fragte ich bei Herrn Neumeister an (toll, so ein direkter Draht zum Entwickler). Gut zu wissen: Die Farbe Gelb bedeutet im Grunde genommen “Eingeschränkt empfehlenswert”.

Das Bewertungssystem beruht in der Regel auf den Verzehrsgewohnheiten und dem Körpergewicht von Kindern (außer bei Kaffee, Alkohol und anderen typischen Produkten für Erwachsene). Für einen gesunden Erwachsenen gäbe es also viel mehr “Grün”.

Herr Neumeister selbst verrät auch, wie er mit den Daten umgeht. Er schaut eher auf die Rückstandslisten: kein Blei, Cadmium, Arsen, Cäsium, Dioxine oder Aflatoxine… Bei Schwangeren, Stillenden und chronisch Kranken empfehlen sich aber ausschließlich Lebensmittel mit geringem Verarbeitungsgrad aus kontrolliert biologischem Anbau.

„Man soll sich aber nicht die Freude am Essen nehmen lassen! Die APP soll Informationen liefern, Lösungen zeigen und einem eben nicht das Essen vermiesen –und es gibt auch konventionelles Obst und Gemüse mit überwiegend “grünen” Proben.“
(Lars Neumeister)

 

Das hat die APP zu bieten

Gigantisch, wie viel Arbeit und Wissen in diesem kleinen Helfer steckt – ca. 20 Millionen Einzeldaten der deutschen Lebensmittelüberwachung aus drei Jahren. Und erstmals werden die verschiedenen Belastungen in Kombination betrachtet: Schwermetalle, Pestizide, Arzneimitteln, Dioxine, Mykotoxine uvm. Nur durch die kombinierte Bewertung kann sich ein Gesamtbild ergeben – und dieses wird ganz klar mit Rot – Gelb – Grün kommuniziert.

“Die Entwicklung der APP selbst hat etwa ein Jahr Arbeit gekostet, aber es steckt die Erfahrung aus über 10 Jahren Arbeit dahinter. Die größte Schwierigkeit ist die Komplexität – es geht um sehr viele Stoffe in sehr vielen Lebensmitteln. Ich musste ein Bewertungssystem entwickeln, dass die Mehrfachbelastung und die spezielle Giftigkeit einiger Stoffe berücksichtigt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat versucht die APP zu verhindern – ohne Anwalt und eine frühere Klage gäbe es sie nicht.”
(Lars Neumeister)

Die APP “Essen ohne Chemie” gibt es in zwei Versionen: Basis für € 2,99 und Plus für € 4,99. Plus zeigt die hier im Artikel gezeigten Rückstandslisten, während die Basisversion nur die Bewertung im Ampelsystem anzeigt. Für die allermeisten dürfte das aber genug sein. Ich habe mir die Plusversion gekauft, weil ich alle Elemente testen wollte, bevor ich diesen Artikel schreibe. Und ich finde die Übersicht der Substanzen sehr gut gelungen, denn man kann sich auch rückwärts durchhangeln. Von der Substanz, die man unbedingt meiden möchte ausgehend, findet man die Produkte, in denen diese vorkommt.

Mein Fazit: Die APP kostet zwar ein wenig, aber für den gebotenen Informationsgehalt ist sie sehr günstig, und sie veraltet nicht wie zum Beispiel eine Broschüre von Greenpeace oder eine Infografik, da sie beim Laden stets nach Updates sucht. Sie gehört definitiv zu den APPs, die dauerhaft auf meinem Handy bleiben werden!

In diesem Sinne: Kaufen Sie gesünder!

Herzlichst,
Ihre Christiane Mohr

 

PS: Für all jene, die es ganz genau wissen wollen: Falls Sie sich, wie auch ich, die Frage stellen, warum man immer die komplette Liste der Rückstände sieht, und nicht unterschieden nach Anbauregionen, hier die Antwort: Einerseits waren viele User in den ersten Tests mit unterschiedlichen Listen überfordert (bei der Menge an Infos, die in der APP steckt, ist das durchaus verständlich) und andererseits gäbe es aufgrund geringer Stichprobengrößen für einzelne Regionen keine statistisch valide Aussage, so dass es dann keine Liste geben könnte – was dann wiederum verwirrend für die Nutzer wäre…

 

Weiterführende Links:

Hier finden Sie eine Übersicht der Funktionen sowie die Links zu beiden Versionen auf iTunes und im Google PlayStore
http://www.essen-ohne-chemie.info/#Kaufen

Die Website zur App inklusive interessantem Blog
http://www.essen-ohne-chemie.info

Artikel über die App
http://www.forum-csr.net/News/8920/WievielGiftstecktinunseremEssen.html

Artikelserie zu Schwermetallen
http://www.christianemohr.de/7-schwere-jungs-warum-sie-diese-7-gefaehrlichen-schwermetalle-meiden-muessen-2/

 

Bilder:
Screenshots der App © Lars Neumeister
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Obstabteilung © Industrieblick #82261034 via fotolia.com