Chrom VI - LederschuheSie erinnern sich sicher an den Film „Erin Brockovich“. Erin Brockovich, gespielt von Julia Roberts, kämpft in der Kleinstadt Hinkley gegen Pacific Gas & Electric, die im Rahmen ihrer Produktion Chrom VI ins Grund- und damit ins Trinkwasser sickern lassen. Einerseits ging es um das Recht zu erfahren, welchen Stoffen die Bevölkerung ausgesetzt ist, aber auch um materielle Wiedergutmachung für erlittene Schäden, zum Beispiel eine erhöhte Anzahl an Krebserkrankungen. Ein spannender Film, mit realem Hintergrund. Doch wissen Sie, was in Ihrem Trinkwasser enthalten ist?

In Teil 5 der Serie „7 schwere Jungs – Warum Sie sich vor diesen 7 gefährlichen Schwermetallen schützen müssen“ geht es um Chrom VI. Falls Sie den Auftaktartikel noch nicht gelesen haben, finden Sie nachfolgend eine kurze Zusammenfassung:

Unter Schwermetallen versteht man Metalle ab einem bestimmten Gewicht pro cm3, allerdings hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch inzwischen auch das Halbmetall Arsen und das Leichtmetall Aluminium dazugesellt, es geht bei der Nutzung des Wortes also mehr darum, die Toxizität deutlich zu machen. Schwierig ist das bei all jenen Schwermetallen, die der Körper in Spuren braucht, wie beispielsweise Kupfer, Mangan, Nickel etc, denn hier darf weder ein Mangel noch eine Überdosierung auftreten.

Aufgrund zahlreicher Studien wissen wir inzwischen, dass Schwermetalle zahlreiche und dramatische Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben und viele, schwere Krankheiten verursachen können. Sie bilden freie Radikale und lassen uns schneller Altern, sie können die Psyche sowie das Verhalten verändern, das Immunsystem schädigen bis hin zu Autoimmunerkrankungen, sie verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Tumore sowie neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder MS.

Die Frage, ob wir belastet sind, stellt sich laut führenden Experten auf diesem Gebiet nicht, da wir im täglichen Leben mit zahlreichen der Stoffe konfrontiert sind. Besonders gefährlich ist der Cocktail verschiedener Schwermetalle und Chemikalien, da sich die Wirkungen gegenseitig verstärken können. Es gibt einige wenige Möglichkeiten, die Stoffe auch wieder loszuwerden, allerdings sollten diese Ausleitungsverfahren therapeutisch betreut werden. Eine Checkliste zur Auswahl eines Therapeuten können Sie sich am Ende des Artikels herunterladen.

Hintergründe und Details und vor allem zahlreiche Tipps, wie Sie Ihre Schwermetallbelastung im Alltag senken, finden Sie im Auftaktartikel.

Wo begegnet uns Chrom VI im Alltag?

Für die meisten von uns wird Chrom VI beruflich bedingt kein Thema sein. Menschen, die hingegen in der Lederproduktion, im edelstahlverarbeitenden Bereich oder in einem Zementwerk arbeiten, sind täglich Chrom VI (auch sechswertiges Chrom genannt) ausgesetzt. Im Alltag gibt es aber dennoch einige Quellen. Für den Durchschnittsbürger ergeben sich die folgenden 3 Hauptquellen.

Quelle #1: Nahrungsmittel und Wasser

Chrom kommt – ähnlich wie das Quecksilber – in verschiedenen Formen vor. Der große Unterschied zum Quecksilber ist, dass es für den Menschen ein essentielles Spurenelement ist, allerdings in nur einer der auftretenden Formen, nämlich als Chrom III. Chrom III kommt natürlich in frischem Gemüse, Obst, Fleisch, Getreide und Hefe vor. Man geht davon aus, dass sich Chrom VI – anders als zum Beispiel Quecksilber – nicht in der Nahrungskette anreichert.

Menschen brauchen Chrom III, nicht Chrom VI, denn Chrom VI wurde als menschliches Karzinogen eingestuft. Sechswertiges Chrom kann von Edelstahl-Küchenutensilien oder Edelstahldosen freigesetzt werden, wenn sie mit stark säurehaltigen Lebensmitteln in Berührung kommen.

Eine US-amerikanische Studie hat in 31 von 35 Trinkwasserproben ergeben, die im Schnitt dreimal höher war als der empfohlene Grenzwert. Mitte 2014 hat Kalifornien als erster Bundesstaat reagiert und einen Grenzwert für Chrom VI eingeführt. Dieser liegt bei 0,010 mg/l [1]. Ich habe daraufhin mal eine kurze Recherche gemacht, und mir das Münchner Leitungswasser angesehen. Hier hat die Schadstoffuntersuchung im Januar 2015 einen Wert von <0,005 mg/l ergeben, der gesetzliche Grenzwert (für Gesamtchrom, also Chrom III und VI) liegt bei 0,05 mg/l. Den Grenzwert empfinde ich im Verglich zum Kalifornischen als relativ hoch und vor allem intransparent durch die Koppelung. Schleswig-Holstein beispielsweise hat mit einer Nachweisgrenze von 0,00002 mg/l testen lassen und konnte in 2/3 der Proben unterhalb dieser Nachweisgrenze bleiben. In einem vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebenen Gutachten wurde ein gesundheitlich begründeter Zielwert in Höhe von 0,0003 mg/l abgeleitet. Ob und in welchem Maß das Münchner Trinkwasser diese Hürde reißt, lässt sich bei einem kombinierten Messwert nicht sagen…

Quelle #2: Lederprodukte

Chrom III wird im Gerbprozess von Leder eingesetzt (man schätzt zu ca. 80-90%). Unter bestimmten Bedingungen kann dieses Chrom III in Chrom VI umgewandelt werden – und das noch lange, nachdem der Herstellungsprozess abgeschlossen ist. In Deutschland gibt es zwar schon lange einen Höchstwert von 3 mg/kg Chrom VI, das freigesetzt werden darf, aber erst seit 1. Mai 2015 ist diese Regelung auch in der gesamten EU gültig. Eine dänische Studie zeigte, dass 44% der untersuchten Artikel mehr als 3 mg/kg Chrom VI freisetzen [4]. Der Grenzwert gilt für alle Lederprodukte, die einen längeren Hautkontakt haben, wie beispielsweise Schuhe, Kleidung, Taschen, Uhrenbänder.

Quelle #3: Zigarettenrauch

Inzwischen ja schon ein altbekannter Übeltäter… Noch ein Grund mehr, mit dem Rauchen aufzuhören und auch verrauchte Räume zu meiden, ist der starke Gehalt an Chrom VI (neben Cadmium; Blei, Arsen). Der Chrom VI-Gehalt in der Raumluft von Räumen, in denen geraucht wird, kann 10 – 400 mal höher sein als im Freien. Erschwerend kommt hinzu, dass Chrom VI über die Atemwege besonders gut aufgenommen wird, während über den Verdauungstrakt „nur“ 10% des aufgenommenen Chroms absorbiert werden.

Weitere Quellen

Holzschutzmittel, Textilien, Reinigungsprodukte, Tonerkartuschen.

Was bewirkt Chrom VI in unserem Körper?

Chrom III als essentielles Spurenelement wird von unserem Körper benötigt, um den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Es unterstützt die Fettverbrennung in den Muskeln und schützt vor freien Radikalen. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 30 – 100 µg pro Tag, egal ob Mann oder Frau, in jeder Altersklasse. Gute Quellen für Chrom sind beispielsweise Pilze, Rosinen, Spargel, Nüsse, Samen, Linsen und Vollkornprodukte. Linsen haben 70 µg/100g, Vollkornbrot 49µg/100g. Der Prozess des Raffinierens zur Herstellung von weißem Brot und Zucker verringert den Chromgehalt in den Lebensmitteln. Über eine Unterversorgung müssen wir uns anscheinend dennoch kaum Sorgen machen, denn eine solche ist bisher ausschließlich von Patienten mit künstlicher Ernährung bekannt.

Chrom VI im TrinkwasserGefährlich wird es, wenn das sechswertige Chrom in unseren Körper gelangt: Chrom VI ist seitens der International Agency for Research on Cancer (IARC) als Karzinogen für den Menschen eingestuft. Bereits seit Langem steht fest, dass die Aufnahme über die Lunge Krebs verursacht, vergleichsweise jung ist die Erkenntnis bzw. Einschätzung, dass auch Chrom VI im Trinkwasser krebserregend ist (darum also hatte Erin Brockovich Recht). Die Europäische Union hat diese Einschätzung übernommen.

Auf der Liste mit den 275 gefährlichsten Substanzen schaffte es Chrom VI tatsächlich auf Platz 16. Die toxische Wirkung wird auf die stark oxidierende Eigenschaft zurückgeführt, da dadurch zellschädigende Reaktionen ausgelöst werden.

In erster Linie greift Chrom VI das Immunsystem, den Urinal- sowie den Atemtrakt (von der Nase bis zur Lunge) an, Während Chrom III natürlich vorkommt, entstehen Chrom 0 und Chrom VI im industriellen Verarbeitungsprozess. Chrom wird in erster Linie über den Atemweg aufgenommen, wobei die Belastungen hier hauptsächlich bei der Produktion auftreten. Für die Allgemeinbevölkerung geht man davon aus, dass die Hauptbelastung durch Lebensmittel entsteht. Chrom VI kann auch über die Haut aufgenommen werden, speziell dann, wenn die Haut beschädigt ist. Chrom VI ist auch eines der häufigsten Allergene, zusammen mit Nickel und Duftstoffen. Das Dramatische: Hat sich einmal eine Chrom VI-Allergie ausgebildet, so bleibt diese lebenslang bestehen. Zudem wurde ein Zusammenhang zu neurodegenerativen Erkrankungen, neuropsychologischen Störungen (Panikattacken und ähnliches), Geburtsdefekten, Arteriosklerose und DNA Schäden hergestellt.

Als bester Indikator, ob ein Mensch Chrom VI ausgesetzt war, gelten Blut und Urin. Speziell die roten Blutzellen können Chrom VI aufnehmen (nicht jedoch Chrom III) und zeigen somit verlässlich eine Exposition an, allerdings nur während der letzten 120 Tage, da die roten Blutzellen alle 120 Tage erneuert werden.

Wie kann ich mich vor Chrom VI schützen?

  • Nicht rauchen und nicht in verrauchten Räumen aufhalten
  • Vorsicht auch beim Austausch von Laser-Tonerkartuschen. Oft fällt etwas Toner aus der Kartusche. Hier kann Chrom VI enthalten sein. Daher nicht einatmen und nach dem Austausch die Hände gut waschen.
  • An stark befahrenen Straßen sind die Chrom VI Emissionen ebenfalls höher, da Bremsscheiben sowie Katalysatoren Chrom enthalten. Zum Joggen sollten Sie sich also besser den Park aussuchen 😉
  • Bei Lederprodukten auf europäische Produkte setzen. Seit Mai 2015 schützt die neue Regelung die europäischen Verbraucher, und Produkte, die nicht nur kurzfristig mit der Haut in Berührung kommen, dürfen maximal 3mg/kg Chrom VI abgeben. Bei Billigwaren aus Asien ist davon auszugehen, dass diese Grenzwerte stark überschritten werden! Chrom VI kann über den Schweiß selbst durch Socken und Strümpfe auf die haut gelangen.
  • Auf pflanzlich gegerbtes Leder ausweichen. Es gibt auch synthetische Verbverfahren, aber wer weiß, was da wieder an Chemikalien zum Einsatz kommt, die ebenfalls über die Haut aufgenommen werden könnten. Siegel, die chromfrei gegerbtes Leder ausweisen, z.B. das IVN-Zertifikat für Naturleder und das sogenannte ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung, gibt es bereits. Vorsicht: Es gibt bei pflanzlich gegerbten Ledern auch Mischgerbungen, z.B. kombinierte Pflanzen- und Chromgerbungen). Hier finden Sie eine gute Übersicht über die verschiedenen Siegel.
  • Stark säurehaltige Lebensmittel nicht in Edelstahlbehältern lagern und kochen.
  • Fordern Sie bei Ihrem örtlichen Wasserversorger die Schadstoffanalyse an, so erkennen Sie nicht nur eine eventuelle Chrom VI Belastung… Hochwertige Wasserfilter sind heute in der Lage, verschiedenste Substanzen aus dem Wasser zu filtern.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber dieser Artikel hat mich als „Normalbürger“ ein klein wenig beruhigt. Wenigstens eines der hochgiftigen Schwermetalle, das nicht so ganz alltäglich ist (außer für Raucher leider). Und die Analyse der Stadtwerke München sah auch gar nicht so schlecht aus…

In diesem Sinne: Fragen Sie doch auch bei Ihrem Wasserversorger nach und lassen Sie mich hier im Kommentar wissen, wie es damit so in Deutschland aussieht!

Herzlichst,
Ihre Christiane Mohr

PS: Falls Sie sich fragen, was aus Erin Brockovich geworden ist: Sie arbeitet heute als Consultant für Weitz & Luxenberg, eine Anwaltsfirma, die sich auf Sammelklagen spezialisiert hat, zum Beispiel in Bezug auf Asbest, und Urteile in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe erwirkt.

PPS: Weitere Tipps, wie Sie sich grundsätzlich vor Schwermetallen schützen, nicht nur vor Chrom VI, finden Sie im Auftaktartikel zur Serie „7 schwere Jungs – Warum Sie sich vor diesen 7 gefährlichen Schwermetallen schützen müssen“ (Link). Dort finden Sie auch Informationen, wie man Schwermetalle wieder los wird. Wie bereits oben erwähnt, sollte das nur unter therapeutischer Begleitung stattfinden. Hierfür habe ich eine Checkliste entwickelt, die Sie sich hier herunterladen können:

 

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Weiterführende Links

[1] California Department of Public Health, abgerufen 25.06.2014. http://www.cdph.ca.gov/certlic/drinkingwater/Pages/Chromium6.aspx

[2] https://www.swm.de/dam/jcr:a19a05ca-5502-4618-829b-57416437f106/trinkwasser-analysewerte.pdf

[3] http://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/LASD/Aufgaben/Gesundheitsschutz/Trinkwasser/Chrom.html

[4] http://www.bureauveritas.de/wps/wcm/connect/bv_de/local/home/about-us/our-business/consumer_products/bulletins/bulletins-deutschland/cps-bulletin-14b-011-chromvi-verboten

[5] http://www.gesundheit.de/ernaehrung/naehrstoffe/mineralstoffe-und-spurenelemente/spurenelemente

[6] http://www.atsdr.cdc.gov/toxguides/toxguide-7.pdf

[7] http://www.swr.de/natuerlich/gesundheit-gefaehrliches-chrom-vi-in-lederprodukten/-/id=100810/did=11675418/nid=100810/15zfe1k/index.html

[8] http://www.ksta.de/ratgeber/gerbung-gutes-leder–schlechtes-leder,15189524,16250452.html

 

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Bilder:
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Wasser / 11083380248.jpg © wax115  via morguefile.com[/fusion_builder_column][/fusion_builder_row][/fusion_builder_container]