Der Seelenweg als Konzept stellt viele von uns vor einige Herausforderungen. In diesem Artikel möchte ich daher ein Bild anbieten, um dieses Thema zu verdeutlichen und ein paar Tipps geben, wie wir optimal mit unserem eigenen Seelenweg arbeiten.

Heute ist mal wieder eine dieser Nächte. Alles (sch)lief wunderbar bis 2.30 Uhr. Ich erwachte, hatte einen Gedanken im Kopf und war sofort hellwach. Ich blieb liegen und hatte eigentlich erwartet, wieder einzuschlafen. Doch weit gefehlt… Bis vor ein paar Minuten lag ich also noch im Bett. Aber jedes Mal, wenn ich das Gefühl hatte, jetzt schlafe ich wieder ein, schoss mir  erneut ein Gedanke durch den Kopf: Etwas, was zu erledigen ist, eine neue Idee, worüber ich schreiben oder was ich entwickeln möchte, sogar der ein oder andere Ansatz einer Problemlösung…

Zuerst fing ich also an, die Ideen und Aufgaben aufzuschreiben. Frei nach dem Motto „wenn sich der Kopf nicht mehr damit beschäftigen muss, dann kommt er schon zur Ruhe“. Nachdem ich dann nach und nach eine ganze Menge aufgeschrieben hatte, und immer noch nicht einschlafen konnte, und meine Synapsen munter vor sich hinfeuerten, beschloss ich aufzustehen. Und so sitze ich nun hier und schreibe.

Nun habe ich den Luxus, dass ich als Selbständige morgen nicht unbedingt um 6 oder 7 Uhr aufstehen muss und mich theoretisch gegen Morgen noch einmal hinlegen könnte, aber ich glaube, heute geht es darum, all den Gedanken, einfach mal Raum zu geben. Und endlich diesen Artikel zu schreiben, der eigentlich schon lange überfällig ist.

Kennen Sie das Gefühl, dass sich Dinge manchmal beschwerlich und zäh anfühlen? Ich frage mich dann immer, warum das eigentlich so ist, und meist zeigt sich, dass ich hier gegen meine innersten Überzeugungen und Wünsche handle. Oftmals ist auch schon unterschwellig ein Gefühl von „muss ich halt machen“ oder „es ist das Vernünftigste“ dabei. Aber nie das Gefühl „ja, das ist richtig, was ich hier tue“, also eine Bestätigung aus dem Herzen heraus.

Nun habe ich in meinem Titel das Wort Flow verwendet, das vor einigen Jahren durch Myhalyi Czikzetmyhalyi viel Aufmerksamkeit bekam. Eigentlich ist seine Definition recht einfach und besagt, dass die Optimalerfahrung des Flows dann gegeben ist, wenn trotz relativ hoher Anforderungen Handlungen und Gedanken “fließen”, d. h. wenn sie mühelos ablaufen, und ihre einzelnen Elemente sich wie von selbst ineinander fügen. Der Flow ist laut Czikzetmyhalyi als der schmale Grat zwischen Unter- und Überforderung.

Ich glaube allerdings, dass es noch einen anderen Flow in unserem Leben gibt, und das ist der Fluss unseres Lebens, das was man auch als unseren Seelenweg beschreiben könnte. Das sind die Aufgaben und die Erfahrungen, die wir in diesem Leben machen sollen. Das, was wir der Welt und den Menschen in unserem Umfeld geben. Jeder von uns ist mit bestimmten Talenten in dieses Leben getreten, keines darf gering geschätzt werden, denn das kleinste Licht kann für einen Menschen in tiefster Nacht ein Leuchtturm sein.

Sicher werden im Laufe unseres Lebens nicht alle Erfahrungen angenehm sein, denn Erfahrungen sind Lernerfahrungen – und Lernen geschieht nur dann, wenn wir unsere Komfortzone verlassen und etwas Neues erfahren. In unserem Dasein als Mensch ist Wandel allerdings fast immer mit mehr oder weniger großen Ängsten besetzt. Diese gilt es zuzulassen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. Denn sonst sind wir unfrei.

Flow bedeutet daher in diesem Zusammenhang für mich, dass ich mich dem Fluss meines Lebens anvertraue. Ich stelle mir hier gerne vor, dass ich in einem Ruderboot diesen Fluss befahre. Solange ich mich mit der Strömung bewege – mit dem Flow – ist es ganz einfach. Mit den Rudern steuere ich ein wenig und balanciere aus. Ab und zu möchte ich vielleicht auch pausieren, ich ziehe mein Boot an Land und schaue auf den Fluss – das sind die Momente, in denen ich neue Kraft sammle.

Wenn ich aber versuche, stromaufwärts zu fahren, dann wird es anstrengend. Aber wo komme ich dann hin? An einen Ort von dem ich komme, oder in einen Seitenarm des Flusses, an dem ich eigentlich schon vorbei war… Auf jeden Fall vertraue ich in diesem Fall nicht dem Fluss des Lebens, nicht meinem Seelenweg. Und merklich wird das daran, dass es sich beschwerlich und zäh anfühlt. Ich benötige viel Kraft, zum gegen den Strom rudern – dafür, dass ich irgendwo hinkomme, wo ich eigentlich gar nicht hinwill. Mein Kopf vielleicht, aber nicht mein Herz.

Was aber heißt das konkret? Wie nutze ich den Fluss meines Lebens?

Erst einmal muss ich diese Idee zulassen und akzeptieren, dass ich mit meinem Geist nur Teile dessen verstehe, was für meine Seele selbstverständlich ist. Und dann muss ich darauf vertrauen, dass meine Seele über Gefühle mit mir kommuniziert. Ganz oft steht uns unser Verstand im Weg – wir haben so viel Wissen in unser Hirn gepackt, dass wir alles erst mal durch den Filter des Verstandes jagen – und je besser unsere Formalbildung ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir dies tun. Hier heißt es also einen Schritt zurücktreten, die Pro- und Contraliste dem Papierkorb anzuvertrauen und sich einfach nur die Fragen zu stellen: Fühlt sich das gut an? Will ich das wirklich? Was sagt mein Bauch?

Und wenn ich dann über meine Gefühle erkannt habe, was heute für mich* wichtig ist, dann muss ich nur noch aufmerksam bleiben und meine Gefühle weiterhin als Kompass benutzen, Schritt-für-Schritt kleine Anpassungen mit meinen Paddeln vornehmen und mich einfach der Energie meines Lebensflusses anvertrauen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen leichte Stunden im Ruderboot.
Herzlichst, Ihre Christiane Mohr

 

* Nicht für meine Eltern, Freunde oder andere Dritte, und vor allem nicht für mein Ego, also den Anteil in mir, der das Funktionieren in der Gesellschaft bewirkt, der aber eben auch auf Status und Akzeptanz ausgerichtet ist.

 

Bilder:
© Christiane Mohr