Tampons gesundheitsschädlich?

Monatshygiene ist eine intime Frage, die wir im Normalfall nicht diskutieren. Stellt frau ihren Lebensstil auf den Prüfstand, darf dieser Bereich aber nicht außer Acht gelassen werden. Sind Tampons & Binden mit Schadstoffen belastet und schädlicher für Mensch und Natur als wir vermuten sollten? Was meinen Sie? Sind Ihre Tampons gesundheitsschädlich?

Heute widme ich mich einem leidigen Frauenthema: Monatlich einmal entgiften wir auf natürliche Weise. Einerseits schön, andererseits: na ja…

Zählt man zu den glücklichen Frauen, die zumindest weder PMS noch Menstruationskrämpfe kennen,  bleibt immer noch die Zeit der eigentlichen Periode. Tampon oder Binde? Oder Tampons und dünne Binde, falls der Tampon eventuell nicht schnell genug gewechselt werden kann? Welche Tampons, welche Binden? Und eine Frage, die mehr in den Mittelpunkt rückt: Sind die Produkte eigentlich gesundheitlich unbedenklich? Oder sind die gängigen Tampons gesundheitsschädlich?

Vor einigen Jahren befasste ich mich ein wenig mit dem Thema möglicher Schadstoffe in Tampons, und obwohl es kaum Tests dazu gibt, war mir dieses Thema nicht so ganz geheuer.

Unter der Annahme, dass Tampons aus Baumwolle gefertigt sind, wollte ich mir lieber nicht vorstellen, wie viele Schadstoffe ich in den Jahrzehnten der Tamponnutzung aufgenommen hatte.  Nicht biologisch angebaute Baumwolle ist sehr stark mit Pestiziden belastet. [8] Damit müssten folgerichtig konventionelle Tampons gesundheitsschädlich sein.

Gefahren der Nutzung von Tampons

Inzwischen weiß ich, dass die meisten Tampons – auch wenn dies eben gerade nicht auf der Verpackung angegeben ist – aus Zellstoff, und nicht aus Baumwolle hergestellt werden. Der Rückholfaden besteht meist aus einer synthetischen Faser. Gerade dies wird aber mit dem Toxischen Schock Syndrom (TSS) in Verbindung gebracht. [1]

TSS im Überblick

Das toxische Schocksyndrom (TSS, umgangssprachlich manchmal auch „Tamponkrankheit“) ist ein schweres Kreislauf- und Organversagen. Obwohl der Erreger durch jede eitrige Wunde in den Körper eindringen kann, nimmt man an, dass ein Teil der TSS-Fälle von infizierten Tampons stammt. In den USA wurden diesbezüglich zahlreiche Prozesse geführt. [1]

Ein Tampon allein ist allerdings noch nicht ausreichend, um TSS zu verursachen, denn dazu müssen auch Staphylokokken im Körper sein (das ist zum Beispiel bei ungefähr 20 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung der Fall [2]).

Der Wechsel von natürlichen auf synthetische Stoffe schafft zusammen mit der deutlich besseren Saugfähigkeit ein optimales Umfeld zur Vermehrung der Bakterien.

Neben dem Toxischen Schocksyndrom ist aber auch die Langzeitwirkung zu berücksichtigen. Da Tampons über Tage hinweg 24 Stunden pro Tag mit der empfindlichen Schleimhaut des Unterleibs in Verbindung kommen, ist vermutlich kaum abzusehen, wie viel eventuell vorhandener Schadstoffe vom Körper aufgenommen werden.

Also stieg ich schon vor Jahren auf die biologische Version aus dem Biomarkt um – zu fast fünffachen Kosten. Je nach Stärke und Dauer der Periode kommt da schon ganz schön was zusammen. Zudem stellte ich fest, dass die Bio-Tampons nicht so gut saugen (wie man sieht, ist das ja eigentlich von Vorteil, da man so gezwungen ist, den Tampon zeitnah zu wechseln).

Inzwischen habe ich eine ganz andere Lösung gefunden, die mir außerordentlich gut gefällt, und die ich daher heute vorstellen möchte: die sogenannte Menstruationstasse oder mens cup. Klingt seltsam, sperrig und nicht wirklich sexy… Aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Was ist eine Menstruationstasse?

Im Grund genommen handelt es sich um ein kleines Gefäß aus medizinischem Silikon, das in die Scheide eingeführt wird und über der Gebärmutter sitzt. So läuft das Blut in das Gefäß. Die Menstruationstasse saugt sich etwas fest und muss erst nach vielen Stunden gewechselt werden – bis zu 12 Stunden Wechselrhythmus je nach Blutungsstärke sind möglich.

Am unteren Ende der Tasse gibt es einen kleinen Fortsatz, der zum Rückholen der Tasse benötigt wird. Blut in der Toilette entsorgen, kurz ausspülen oder auswischen und erneut einsetzen. Am Ende der Periode muss die Menstasse für 5 Minuten in kochendem Wasser sterilisiert werde. Danach verstaut man sie in einem kleinen Baumwollsäckchen und alles ist bereit für den nächsten Monat.

Meine Erfahrungen mit der Menstruationstasse

Ich habe tatsächlich zwei Anläufe gebraucht, bis ich mit der Menstruationstasse warm wurde. Beim ersten Versuch habe ich sie einfach nicht ganz korrekt eingeführt, und so hatte ich einen unangenehmen Druck und rieb mich sogar am Scheideneingang etwas wund. Beim zweiten Anlauf habe ich mir das Erklär-Video des Herstellers angesehen und seitdem möchte ich sie nicht mehr missen…

Wichtig ist zu wissen, dass man die Menstruationstasse nicht spüren darf. Ggf. muss sie also tiefer oder anders eingeführt werden. Hier heißt es einfach etwas üben.

Ich empfinde den sehr langen Wechselrhythmus von bis zu 12 Stunden (außer am stärksten Tag meiner Periode) als unwahrscheinlich befreiend. Zudem habe ich bislang immer eine Möglichkeit gefunden, eine Toilette mit Waschbecken zu finden, so dass ich die Tasse ausspülen konnte. Ist die Tasse leicht feucht, ist das Einsetzen bei meiner sehr empfindlichen Haut einfach leichter.

Ein weiterer Vorteil ist das Fehlen der Schnur. Meinem Empfinden nach fangen Tampon und Binden im Laufe des Tages immer irgendwann das Riechen an (außer man wechselt alle 1-2 Stunden). Ich hasste diesen Geruch, den ich sowohl an mir selbst als auch an anderen Frauen wahrnahm. Mit der Menstasse gibt es nichts mehr, was riechen kann. Und obwohl ich mir über das TSS nie wirklich Gedanken gemacht habe, war das der erste Kommentar meines Mannes, als er die Menstasse das erste Mal zu Gesicht bekam.

Mit einmalig 26 EUR Anschaffungskosten hatte ich bereits nach wenigen Monaten die Anschaffung armortisiert, da 20 Bio-Tampons inzwischen fast 4,50 EUR kosten und ich – aufgrund des schlechteren Saugverhaltens – immer zusätzlich dünne Bio-Cotton-Liners in derselben Preisklasse dazu kombinierte.

Was sollte man nicht tun?

Klare Antwort: Die Menstasse zum Sterilisieren auf den Herd stellen und dann zum Telefonieren gehen 😉

Ich habe meine erste Tasse so totgekocht (Wasser verdampft, Silikon spröde und gebrochen) und musste sie leider ersetzen. In der Zeit bis ich meine neue bestellte, musste ich eine Periode ohne sie „durchstehen“ und seitdem schätze ich sie umso mehr.

Empfehlenswert ist auch, die Tasse erst mit kaltem Wasser vom Blut zu reinigen und sie erst danach mit heißem Wasser auszuspülen, da Blut bei heißem Wasser das Silikon etwas verfärbt.

Persönlich gesehen – welche Schadstoffe, die Tampons gesundheitsschädlich machen, vermeiden Sie?

Hier nur eine kurze Übersicht, der möglichen Schadstoffe in Hygieneartikeln, wer sich eingehender damit befassen möchte, dem seien die Artikel unter weiterführende Informationen empfohlen.

  • Dioxine – diese entstehen als Abfallprodukt beim Bleichen von Viskose (Zellstoff) oder Baumwolle, kann damit also auch in Tampons enthalten sein, die aus Zellstoff hergestellt wurden. Wir können der Aufnahme von Dioxinen nicht auskommen, ca. 90-95% der Dioxine nehmen wir über die Nahrung auf. Die Studienanzahl ist noch zu gering für eine finale Aussage, aber Fachgremien der WHO und der amerikanischen Gesundheits- sowie Umweltbehörde stufen einen Teil davon als für den Menschen krebserregend ein. Zudem zeigten Tierversuche eine fruchtschädige Wirkung. [3+4]
  • Formaldehyd (seit 2015 eingestuft als B1 – „wahrscheinliches Karzinogen beim Menschen“) – steckt ggf. in der Plastikhülle von Tampons. [3]
  • Phtalate / Weichmacher im Klebstreifen von Binden. Phtalate gelten als fortpflanzungsschädigend. [3]
  • Glyphosat – eine Studie aus Argentinien wies in 85% der untersuchten Baumwollproben Glyphosat nach. Glyphosat gilt als wahrscheinlich krebserregend. [5 + 6]

Global gesehen – welchen Beitrag zum Umweltschutz leistet die Menstruationstasse?

Einfach und plakativ: Weniger Müll, weniger Abholzung von Bäumen für die Zellstoffherstellung, weniger Pestizideinsatz bei der Baumwollherstellung und weniger Verpackungsmüll.

Für die Herstellung konventioneller Baumwolle wird zudem extrem viel Wasser verbraucht, das in den Herstellungsländern an anderer Stelle fehlt. Bei Bio-Baumwolle wird meist anders bewässert, wodurch viel Wasser eingespart werden kann. [8]

Der Hersteller, bei dem ich meine Tasse bestellte, versendet die Tasse mit einem Baumwollbeutel für die Aufbewahrung in einer kleinen Pappschachtel mit der normalen Post. Falls man seine Tasse nicht totkocht, hat es sich damit für lange Zeit mit Transport und Verpackungsmüll.

Rezension Krebs-Präventionsbuch "Krebsen Sie nicht rum"

Bilder:
Tampon: pixabay, EME (https://pixabay.com/users/EME/)
Menstruationstasse: Christiane Mohr